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Aux Calanques Part 1

Dies ist eine Hommage an einen unvergesslichen Trip, den ich mit Freddy im Oktober 2012 unternahm.
Das Ziel sollte die Jugendherberge „La Fontasse“ im Herzen des Naturschutzgebiets „Calanques“ sein. Die Fontasse ist ein so ursprünglicher und besonderer Ort, den man selbst erlebt haben muss um ihn zu verstehen. Es ist ein puristischer Selbstversorgerstützpunkt ohne großen Luxus. Dafür aber mit großartiger Aussicht.
Morgens steht man vor Sonnenaufgang auf und flüstert in der Küche. Die Sonne geht über dem gegenüberliegenden Cap Canaille auf und weckt die Lebensgeister, während man seinen Kaffee auf der Terrasse vor der Herberge genießt.
Keine Duschen, warmes Wasser nur in der Küche, zum Waschen füllt man einen 5l Kanister auf und stellt sich in die großen steinernen Tröge in den Waschräumen. Wir haben es „Kanistern“ getauft.

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Aber was wollen wir eigentlich hier? Wir wollen das tun, was uns erfüllt: Klettern und Highlinen.
Am ersten Abend lernen wir Gesa kennen. Sie ist alleine unterwegs und sucht Leute, mit denen sie klettern gehen kann. „Wieso auch nicht?“ denken wir uns und tatsächlich werden wir die nächsten 3 Wochen nahezu ununterbrochen zusammen unterwegs sein.
Sie ist bereits zum vierten Mal hier, kennt sich dementsprechend gut aus und zeigt uns die schönsten Routen. So klettern wir bereits am zweiten Klettertag die spektakuläre und oft sehr spärlich abgesicherte Route „Future Croulants“ (8 SL, 6b+).
Die Schlüssellänge bildet hier ein Quergang über einer Dachkante, 150m über dem Meer.

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Foto: Julia

Klettern in den Calanques beginnt in der Regel mit dem Abseilen.

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Foto: Julia

Dann steht man knapp über dem Meer und es gibt nur noch den Weg nach oben.

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Foto: Gesa-Marie Grzeschik

Rauer Kalk, wunderschöne Kletterlinien, eine einzigartige Kulisse und die Einsamkeit in den großen Wänden machen Klettern hier zu einen Erlebnis der besonderen Art.

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Foto: Thibaud Hisler

Als nach etwa einer Woche die Finger wund sind, widmen wir uns der ersten Highline. Auf Highliner-Database (highlinedatabase.blogspot.de) hatte ich davon gelesen. Durch eine neue Anspannvariante können wir die Nadel on-top anspannen. Auf der anderen Seite steht ein massiver Baum. Der Aufbau erfolgt clean, wieso an der Nadel vier Bolts gesetzt wurden erschließt sich uns nicht.


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Fotos: Gesa-Marie Grzeschik

Nachdem Freddy und ich die Line mehrmals in beide Richtungen begangen haben warten wir gespannt, ob es noch einen Sonnenuntergang geben wird. Dieser lässt sich gewaltig lange bitten und es scheint, als ob die Sonne einfach hinter den Wolken bleibt und verschwindet.
„Geh jetzt einfach raus, vielleicht wird es nicht mehr besser!“, ermutigt mich Freddy, als die Sonne immer noch nicht aus den Wolken herauskommt und schon fast untergegangen ist.
Auf dem Rückweg wird der Fels vor mir auf einmal rosafarben und als ich auf der Line umdrehe, blendet mich ein blutroter Feuerball. Ein Schrei löst sich und es geht weiter.
Gesa hat diese unbeschreiblichen Momente vom gegenüberliegenden Massiv aus festgehalten. Vielen Dank nochmal an dieser Stelle.

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Fotos: Gesa-Marie Grzeschik

An diesem Abend hat der Wein besonders gut geschmeckt.
Es folgt eine weitere Kletterwoche mit einem Highlight am Cap Canaille, über dem wir jeden Morgen die Sonne aufgehen sehen. Dies ist das einzige Klettergebiet das wir mit dem Auto erreichen. Die anderen Routen und die Highlines kann man von unserem Stützpunkt, der Fontasse, nur zu Fuß erreichen. Die wenigen gut ausgebauten Wege sind für Privatautos gesperrt.
Der Weg zum Cap Canaille führt über die „Route des Cretes“, eine steile Küstenstraße.
Noch ordentlich verkatert vom guten französischen Wein am Vorabend fahren wir mit Gesa‘s „Schlachtschiff“ (ein alter Citroen Kombi) und hören „Big Hard Sun“ von Eddie Vedder aus dem Into the Wild-Soundtrack. Die Sonne scheint und wir schreiten zu großen Taten. Das Gefühl kann ich nur mit „epochal“ beschreiben.
Wir seilen zwei Seillängen ab und klettern dann „Bienvenue chez Damocles“, eine 8-Seillängen-Tour bis 6c, die einen durch drei verschiedene Gesteinsarten führt. Es geht im Kalk los, zwischendrin kommt Sandstein und das Grande Finale ist im Konglomerat (Pudding, wie die Franzosen es nennen).

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Foto: Gesa-Marie Grzeschik

Seit gut zwei Wochen sind wir nun an diesem wunderbaren Ort. Bereits an den ersten Tagen ist uns das große Massiv der Grande Candelle und die kleine vermeintliche Nadel davor aufgefallen.
Nach einer Klettertour beginnen wir den drei-stündigen Marsch dorthin, um den möglichen Highline-Spot näher in Augenschein zu nehmen. Kurz vor der Ankunft sind wir enttäuscht. Die vermeintliche Nadel ist eher ein niedriges Riff und die gegenüberliegende Wand scheint recht nah und schließt nicht auf gleicher Höhe ab.
Doch nach genauerer Betrachtung finden wir eine Linie vom Riff auf den Grat der Grande Candelle. Sie führt über die dazwischen liegende, steil abfallende Scharte.
Ob und wie diese Line möglich sein wird, wissen wir nicht. Aber sicher wissen wir, dass wir dem ganzen einen Versuch geben müssen.

Im Anschluss an den zweiten Teil...

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