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Aux Calanques Part 2

Bepackt mit drei randvollen 70l Rucksäcken starten Freddy, Gesa und ich vier Tage später unsere Mission. Wir kommen am späten Nachmittag an, erklettern die Grande Candelle über eine leichte aber bohrhakenfreie Routen und bringen ein Fixseil an. Mittlerweile ist uns klar, dass wir bohren müssen, um diese Highline zu realisieren. Nachdem die Calanques ein sehr traditionelles Klettergebiet ist und das Anbringen neuer Bohrhaken formalerweise verboten ist bohren wir nachts…und von Hand.
Im Rotlicht der Stirnlampen beginnen wir mit der einfacheren Seite. Der Fels am Grat der Grande Candelle ist von guter Qualität und wir haben zwei 12er und ein 10er Loch um 11 Uhr fertig.
Am Riff (genannt Candelon) wird es schwieriger. Die Felsqualität an der Rückseite ist miserabel. Unser Fixseil hängt an der Spitze an zwei rostigen Haken, und zwei mäßig guten Friends.
Nach einer gefühlten Stunde finde ich eine Stelle, an der der Fels brauchbar ist und ich fange an zu bohren. Man fängt an Beats zu klopfen um nicht schlapp zu machen. Freddy versucht die Line zur Grande Candelle zu bringen und scheitert am zu starken Wind und der zu kurzen Line. Unser Band hat 50m. Zweifel kommen auf: haben wir da überhaupt einen Auftrag? Es ist bereits 1 Uhr und es fehlen noch zwei Haken an der Candelon…
Wir sind kaputt! Freddy beginnt mit dem 2. Loch und ich verlängere die Line mit unserem Seil, um die Verbindung zu schaffen. Mit der Line am Gurt kämpfe ich mich am Grat der Grande Candelle voran und erreiche die drei frisch gesetzten Haken. Da es immer noch sehr windig ist, lassen wir statt der Line ein Seil hängen und brechen den Aufbau ab. Es ist 2 Uhr morgens und wir müssen noch einen Schlafplatz suchen. Biwakieren ist leider auch verboten in den Calanques, weshalb wir einen unauffälligen Platz wählen. Gesa hat, während wir gebohrt haben, schon einen Teil des Gepäcks in die Nähe des Schlafplatzes gebracht. Dort angekommen sind wir total kaputt, ich rauche noch eine Zigarette…was tatsächlich auch verboten ist…und falle anschließend sofort in tiefen Schlaf.
Nach nicht einmal vier Stunden weckt uns der Sonnenaufgang, der jeden Morgen ein außergewöhnlicher Start in den Tag ist. Heute ist er besonders kitschig.
Vor dem Eintreffen der ersten Wanderer „ballert“ Freddy die letzten 1 ½ Löcher rein und ich bereite die Schlingen an der Massivseite vor. Die Verlängerung der Schlinge und das exakte Positionieren des Paddings an der Candelon gestaltet sich sehr mühsam und raubt Freddy die letzte Energie. Ständig muss er auf der Rückseite aufpassen um nicht lockere Steine zu lösen, die die zahlreichen Wanderer aufschrecken, aufmerksam machen und im schlimmsten Fall auch treffen könnten.

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Foto: Thibaud Hisler

Wir tauschen die Positionen und legen den Fixpunkt an der Candelon etwas tiefer in eine kleine Scharte. Der Tag ist bereits weit voran geschritten und als wir endlich mit dem Aufbau fertig sind, naht bereits der Sonnenuntergang. Unsere ersten Versuche scheitern erfolglos nach wenigen Schritten.

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Foto: Gesa-Marie Grzeschik
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Foto: Thibaud Hisler

Erschöpft und ernüchtert lassen wir die Line hängen und begeben uns zu unserem Schlafplatz.
Der 3. Tag an der Candelle zeigt sich nicht von seiner besten Seite. Das Wetter hat eingetrübt, mehrmals zieht Nebel durch die Scharte, über der die Line hängt.

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Foto: Gesa-Marie Grzeschik

Ein lähmendes Gefühl beschleicht mich, es fällt mir unglaublich schwer, mich zu überwinden. Freddy kämpft einen langen Kampf und muss sich letztlich geschlagen geben.

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Foto: Gesa-Marie Grzeschik

Ich taufe die Line „Cirque de la Fontasse“. Die Line ist 47m lang und 65m hoch (beide Werte sind geschätzt). Der Name rührt daher, dass uns einige Gäste der Jugendherberge in der Nähe der Line saßen und uns zuschauten. Für sie waren wir wohl wie Zirkusartisten mit unserer Hochseilakrobatik.
Im immer schlechter werdenden Wetter bauen wir ab und machen uns auf den Heimweg. Wir erreichen im Licht der Stirnlampen unser altes Zuhause, die Fontasse. Ich fühle mich leer, eine Mischung aus Erleichterung, Erschöpfung und Erfüllung macht sich breit. Es sind Gefühlszustände die schwer in Worte zu fassen sind. Unsere Zuschauer vom Mittag empfangen uns mit einem mächtigen Applaus, Bier, Essen und Wein. In der Reihenfolge.
Schweren Herzens verlassen wir nach drei Wochen die Fontasse und die Calanques, diesen magischen Ort, an dem alles noch so ursprünglich scheint. Es fühlt sich an wie eine Oase, ein wunderbares Kleinod, das gepflegt wird und uns in seinen Bann gezogen hat.
Ich werde diese so besondere Zeit mit Freddy und Gesa nie vergessen! Und wir werden wieder kommen, es gibt noch so viele Routen, die geklettert und Highlines, die erstbegangen werden wollen.

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Foto: Gesa-Marie Grzeschik

 

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