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"Gift" Highline Weltrekord

Bei der Erwähnung von "Staumauer in der Schweiz" kommt vielen Menschen sofort der waghalsige Bungee Sprung von Pierce Brosnan in dem Film James Bond - Goldeneye in den Sinn.

Zwar hatten wir weder ein Bungee Seil mit im Gepäck, noch die Absicht, uns 200m in die Tiefe zu stürzen, fühlten uns bei unserem Vorhaben trotzdem sehr an James Bond erinnert. Mit gut 700m Slacklineband im Gepäck schlängelten wir uns das Val de Bagnes entlang unserem Ziel entgegen. Erst konnte man nur ein winziges Eck der gigantischen Staumauer entdecken, das mit jeder Kurve an Größe gewann, doch das komplette Ausmaß der Mauer ließ sich auch später nur erahnen. Mit einer Breite von knapp 500m erstreckt sich die gut 200m hohe Mauer über das komplette Tal und bildet somit die Abgrenzung des Lac de Mauvoisin, einem der größten Speicherseen der Schweiz. 

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Die letzten Meter, bevor man die auf der Staumauer gelegene "Straße" erreicht, legt man in einem Stollen in kompletter Dunkelheit zurück. Der Anblick, der sich uns bot, nachdem sich die Augen langsam an das wiedereinsetzende Licht gewöhnt hatten, war umso überwältigender. Man fühlte sich unweigerlich an eine gigantische Betontonne erinnert - oder zumindest an einen Teil davon. "Und hier sollen wir wirklich eine Highline spannen?", war das Erste, was uns in den Sinn kam. Zuerst wusste keiner so recht, was er machen sollte. Wir wuselten ameisengleich auf der Mauer herum, zogen jeden möglichen Aufbau in Erwägung und versuchten alle doch nur das Eine: möglichst viel Zeit zu gewinnen um sich an die Umgebung zu gewöhnen. Doch dann war der perfekte Platz für die Verankerung gefunden und es gab keine Ausrede mehr, wir mussten mit dem Aufbau beginnen. 

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Dank Dyneema und der für eine 224m lange Highline geradezu lächerlichen Verbindung, war die Line bald aufgebaut und wegen dem etwas kurz geratenen Flaschenzug schnell auf ihrer maximalen Spannung: 150kg. Jetzt, da man die Line direkt vor Augen hatte, verlor sie zum Glück schnell ihre anfangs so bedrohliche Wirkung. Ich war sehr gespannt auf das Verhalten der Line und doch nicht davon überzeugt sie laufen zu können. Deshalb hielt ich es nicht für nötig, die letzten zehn Meter zu tapen. Jetzt konnte mich nichts mehr von einem Versuch abhalten.

Ich band mich in die Leash ein, stieg über das Geländer und setzte mich auf die Line. Es fühlte sich sofort gut an. Die Schwingungen, die ich erzeugte verebbten auf ihrem Weg zur anderen Seite und die Line fühlte sich unerwartet stabil an. Die ersten Schritte waren eine Leichtigkeit, wie von selbst setzte sich ein Fuß vor den anderen. Der anfängliche Lauf wurde nur durch die zwei Windstopper getrübt, an denen meine Leash hängenblieb. 

Nach den ersten 60m verlangsamte ich meine Schritte und nahm meinen üblichen langsamen Laufstil ein. Ab hier galt es durchzuhalten und draufzubleiben. Die Schwingungen wurden zwar immer größer, doch entwickelten sie lange nicht genug Kraft um mich von der Line zu werfen. Die Schwierigkeit bestand mehr darin, die Orientierung zu behalten und gegen den sich immer wieder aufdrängenden Gedanken  "du kommst doch eh nicht vorwärts" anzukämpfen. Erst gute 80m vor Schluss realisierte ich, dass ich schon ein gutes Stück geschafft hatte und schöpfte wieder Hoffnung. Doch gleichzeitig stieg auch die Angst vor dem immer näher kommenden, mir verhassten Ende.

Irgendwie gelang es mir, unterstützt durch meine Kollegen, die mir vom Ende her gut zuredeten, mich über die nächsten 50 Meter zu zittern und befand mich nun an der Stelle, wo wir aufgehört hatten zu tapen. Die nächsten Schritte rutschte das Backup immer weiter an meinem Bein entlang, bis es bei meinem Knie sein Maximum erreichte. Unbeirrt von dieser Tatsache hatte ich nur noch die letzten zwei Meter zu überwinden, in denen das Band immer steiler wurde, noch ein Meter, das Band drohte unter meinen verschwitzten Füßen wegzurutschen, noch drei Schritte, das rettende Geländer kam immer näher und ich hatte es geschafft.

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Die in mir aufkommende Freude war unbeschreiblich. Ich band mich aus, umarmte jeden der Anwesenden und trug für den Rest des Tages wie aufgemalt ein breites Grinsen mit mir herum.

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Bei dieser Gelegenheit möchte ich noch einmal allen danken: Tom, Harry, Peter, Nico, Bernhard und natürlich auch alle Jungs aus dem Wallis, ihr seid alle klasse!

 

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