ab 200€ freier Versand in Deutschland
ab 500€ freier Versand in der EU
steuerfreier Einkauf außerhalb der EU

Longlines in Graphen

In den vergangenen Wochen haben wir mithilfe des AFC fleißig das Lastverhalten in Longlines aufgezeichnet und analysiert. Dabei konnten wir einige Vermutungen bestätigen, aber auch interessante neue Effekte entdecken. Hier möchten wir euch eine erste Auswertung der Messungen präsentieren.

Die Vermessungen wurden exemplarisch an einer 86 m langen Longline mit Seilrollenflaschenzug als Spannsystem durchgeführt (5:1 Basissystem). Als Band wurde White Magic verwendet (ca. 7% Dehung bei 1t Last). Die kleine Messlasche des AFC wurde vor dem Flaschenzug, zwischen loser Rolle und dem Lynx-Bandfixierer eigebaut. Die Meßwerte wurden über einen Laptop und der ASTAS-Software während der ganzen Longline-Session aufgezeichnet. Die Daten wurden dann zu Hause in das Tabellenkalkulationsprogramm Calc (Open Office) eingelesen und als Graphen dargestellt.

Die Leine wurde zweimal gespannt, beim ersten mal bis ca. 900kg, beim zweiten mal über 1,1t. Der Graph zum Spannvorgang sowie der blaue und rote Graph im zweiten Diagramm stammen vom ersten Aufbau, der gelbe Graph im zweiten Diagramm vom zweiten Aufbau. Beim ersten Aufbau wurde der Durchhang nach dem Spannen (3. Durchhangtest) gemessen (1,50m), und vor dem Entspannen (1,60m).

Zuerst möchte ich die Effekte beim Spannen einer Longline erläutern:

blog-2010-06-01-longtest-02

Beim Ziehen am Flaschenzug wird eine Lastspitze erreicht, danach setzt sich der Flaschenzug und anschließend fällt die Spannung durch das Setzen des Bandes ab. Im Diagramm zu sehen an der typischen sägezahnförmige Kurve. Der Lastabfall ist so stark, daß die letzte Kraftspitze beim Spannen beim folgenden Durchhangtest nicht überschritten wird.
Sollte also beim Longlinen etwas reißen, dann theoretisch zu diesem Zeitpunkt (es sei denn, es tritt danach irgendwo noch eine starke Materialschwächung ein). Es ist daher beim Spannen besondere Vorsicht walten zu lassen, d.h. es ist sicherzustellen, daß man beim Spannen im Falle eines Reißens der Longline nicht von Material getroffen werden kann.

Nun zu den Effekten beim Gehen:

Im Graphen bedeutet ein Lauf, daß der Slackliner die Leine vom Flaschenzug zum Festende und wieder zurückging, die Drehung erfolgte auf der Leine.

blog-2010-06-01-longtest-03

Man sieht im Diagramm deutlich, daß die Last immer weiter ansteigt, je weiter der Slackliner in die Mitte des Bandes kommt und zum Rand hin immer stärker abfällt (im blauen und gelben Graphen überlagert mit dem allgemeinen Lastabfall im Band). Interessant ist, daß der Lastunterschied zwischen unbelasteter und belasteter Longline relativ gering ausfällt. Im Beispiel ist der Lastanstieg im System (zwischen knapp 50 und 65kg) durch den Slackliner geringer, als dessen Gewicht (74kg). Vergleicht man den roten mit dem gelben Graphen, scheint dieser Effekt bei höherer Vorspannungslast noch zuzunehmen.

Vergleichsmessungen in einer 18m-Trickline mit ca. 300kg Vorspannungslast ergaben einen Lastanstieg von 120-140kg und damit fast das doppelte Gewicht des Slackliners.

Ein Erklärungsversuch für diesen Effekt: Je höher die Dehnung einer Slackline, desto geringer der zusätzliche Lasteintrag durch den Slackliner gegenüber der Vorspannung. Bei Longlines ist wesentlich mehr Material vorhanden, was sich dehnen kann und aufgrund der hohen Vorspannungslast fällt auch die prozentuale Dehnung deutlich höher aus. Das kann als Ursache für den geringen zusätzliche Lasteintrag bei Longlines vermutet werden. Diese Vermutung gilt es, durch weitere Vergleichsmessungen (auch mit Bändern mit anderer Dehnung) zu untermauern oder zu widerlegen.

Ganz praktische Relevanz hat der geringe Lastanstieg im Randbereich - läuft der Slackliner nur, beträgt er in unserem Beispiel nur 20kg. Beim Bouncen und Catchen überschreitet er jedoch nicht die Spitzenlast, die auftritt, wenn sich der Slackliner in der Mitte befindet. Da man bei Longlines am Rand häufig in einer Höhe von zwei Metern oder mehr losläuft, ist es beruhigend, zu wissen, die Slackline bedenkenlos fangen zu können.

Weitere Beobachtungen:

Lastspitzen werden durch die Slackline ziemlich stark weggedämpft - je weiter der Lastimpuls vom Meßgerät entfernt ist, desto geringer der messbare Ausschlag. Die Messlasche war am Flaschenzug angebracht, dort startete der Slackliner, lief zum Festende, drehte dort und lief wieder zurück - man sieht deutlich, daß die Lastimpulse am Anfang und Ende jedes Messvorgangs größer sind, als in der Mitte (wo sich der Slackliner am weitesten von der Messlasche entfernt befand).

die Lastausschläge bei Windböen ähneln den Ausschlägen, wenn der Slackliner auf der Leine läuft und sind mit einer Größe von 10-20kg unkritisch

Die hier vorgestellten Graphen und Effekte sind sehr charakteristisch und konnten von uns in vielen weiteren Longlinemessungen in Lines unterschiedlicher Länge beobachtet werden.

Tags: Gear

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.