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Man folge dem weissen Kaninchen

Nach einer langen Arbeitsphase gibt es mal wieder lange Urlaub. Der Daumen wurde gegen nen VW-Bus und der hübsche Grischa durch ein hübsches Mädchen (im Folgenden Anna genannt) ersetzt.

So spiessig gings ins Klettermecka El Chorro in Andalusien, Südspanien.

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Es hat schließlich einen ganzen Monat gedauert, bis ich den Chalkbag und die Kletterschuhe endlich gegen nix-an-die Füß und meine abgewetzten Lederhandschuhe tauschen sollte.. Ich muss zugeben, so alleine (zumindest aus Highlinersicht) eine Linie zu finden und zu verwirklichen ist ein größerer Psychoakt als ich dachte. Die großen Projekte flößten mir soviel Respekt ein, dass ich die Strapazen und den möglichen Misserfolg nicht auf mich nehmen wollte und konnte. Ausserdem ist es garnicht so leicht ein größeres Zeitfenster ohne orkanähnlichen Wind zu erwischen.

Aber es gab eine perfekte Lücke, die in ihren Ausmaßen und einer realistischen Zeitplanung möglich erschien.

Dank eines schweren Katers und dem Geschenk der einsetzenden weiblichen Umstände, hatte ich einen Tag für mich und machte mich auf die Suche nach einer Möglichkeit die Lücke überhaupt zu erreichen.

Tradclimbing im 4-5 Grad schied aus. Ich lief also immer der Wand nach, auf der Suche nach einem anderen "Weg". Überraschender Weise bin ich auf keine einzige Schlange gestossen.. Hüfthohe unbekannte Pflanzen, einige Klettereinlagen, die üblichen Dornengebüsche, Flussbetten und Geröllfeldern zum Trotz ging es immer wieder bergauf und häufig rückwärts. Der komplette Weg war sehr abwechlungsreich und führte über Bergziegenpfade durch diverse Löcher in Büschen und steilen, schlammigen Pfaden. Ich kroch gefühlt dem Kaninchen hinterher, immer tiefer ins Wunderland von El Chorro.

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Ausgerechnet ein Blick zurück machte mich auf eine Abnormalität im steilen Fels aufmerksam. Steil, aber beinahe laufbar kam ich zum höchsten Punkt des Felsmassivs. Über den Rücken und ein ganzes Stück bergab auf alpinen Pfaden kam ich zu einer Abbruchkante direkt vor meinem Ziel. Ab dort war abseilen und erneutes Klettern gefragt. Ich musste also später wiederkommen..

Gedacht, gemacht. Wir bohrten einen Haken für's Fixseil runter in die Scharte. Von dort wieder weglos durch's Gelände bis wir vor einer optisch kletterbaren Wand standen. Ich legte mir die Schlingen zurecht, Keile an den Gurt und ab ins Ungewisse. Der Anfang war sehr leicht, über griffige Platten ging es ca. 15m aufwärts zu einem Absatz. Ich hoffte dort eine Sicherung legen zu können, aber die Abwesenheit von Friends vereitelte diesen Plan. An der falschen Stelle gespart würde ich sagen.

Ich stieg weiter aufwärts. Das Gelände war immernoch einfach, allerdings sorgten tonnenweise loses Gestein (mindestens in der Optik) für jede Menge Spannung und Anspannung. Sächsisch motiviert legte ich eine Schlinge um ein winziges Bäumchen in der Wand, welches wenigstens die gröbsten Ängste reduzieren sollte.

Irgendwann kam von unten die Ansage, dass noch circa 10m Seil zum Weiterklettern übrig sind. Immernoch keine Sicherung in Sicht, jedenfalls nicht ohne Friends. Verdammt. Ich komme an ein größeres palmenähnliches Gewächs und umgreife es, es wird Zeit für die nächste Pflanzenschlinge. Epic Fail!, in meiner Hand stecken zahlreiche Dornen, klassisch.

Schließlich erreiche ich einen Absatz, kann eine Schlinge legen und gelange zum Gipfel. Ich kann Anna nachholen und sie setzt den ersten Haken auf dem oben genannten Absatz, der den einzigen kompakten Fels weit und breit darstellt. Ich klettere zurück und wir setzen einen weiteren Haken. Dann gibt die Bohrmaschiene den Geist auf, 2 Akkus sind verbraucht. Verdammte 18V-Maschine, wieder an der falschen Ecke gespart... es ist ohnehin Abend, wir seilen ab, lassen 2 Fixseile hängen und machen uns auf den Rückweg.

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Unten treffen wir auf Martin, einen Slackliner aus Holland, der sich uns am nächsten Tag anschließt um dem Aufbau beizuwohnen. Anna jümart zum Absatz, Martin und ich bleiben auf der anderen Seite. Der Aufbau geht ohne Probleme, auch wenn mir das schlechte Gestein sorgenvoll im Kopf bleibt. Unter uns befinden sich Kletterrouten, Steinschlag könnte Konsequenzen haben.

Wie immer wird es spät bis alles steht. Martin bekommt den ersten Go, da er nicht so viel Zeit hier in El Chorro hat und nicht nochmal mit hochkommen wird. Für seine erste richtige Highline stellt er sich extrem gut an. Er arbeitet hart und bringt es auf der knapp 30m langen und recht exponierten Line am Ende auf 6 Schritte. Die Sonne verschwindet am Horizont und wir verlassen den Spot, morgen ist auch noch ein Tag.

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Allerdings ein windiger. Extrem windig. Hier illustriert auf dem Foto: 

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Nein, das ist kein Gel in meinen Haaren, das ist böige Windstärke 8!? Zum Glück ist die Line nicht so lang. Trotz der langen Pause gelingt mir der OnSight, wenn auch etwas wackelig. Ich laufe 3 FM und Anna macht ihre ersten Chongoversuche.

Die Line heißt "White Rabbit", Schartenhöhe etwa 35m, Länge wie gesagt knapp 30m und auf jeder Seite befinden sich 3 Bolts. Diese sollten bei Wiederholungen bitte immerwieder neu bewertet werden, schließlich bin ich nur 1/6-Geologe..^^

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Schließlich bauen wir wieder ab, der Wind lädt nicht zum bleiben ein.

Die Rucksäcke sind schwer auf dem Rückweg, doch der Schritt wie immer positiv erfolgreich beschwingt, wie immer wenn ein Projekt geglückt ist.

Noch ein Nachtrag zu der ganzen Aktion: Wir sind mittlerweile seit über einem Monat hier, da bleibt es nicht aus das man die Locals mal zu Gesicht und ins Gespräch bekommt. So hat auch El Chorro seine Probleme. Wie immer ist Highlinen auch hier ein hochsensibles Thema. Allein das Klettern ist offiziell nur in 5 von über 30 Sektoren offiziell erlaubt, wir befinden uns im Nationalpark und es gab bereits Highliner die Haken mitten in eine sehr traditionsreiche Tradroute gebohrt haben... Die Polizei ist regelmäßig vor Ort, da viele Kletterer die nahe gelegenen Eisenbahnschienen betreten und viele Leute illegal campieren.

Wie ich erfuhr gibt es mittlerweile 7 Highlines in El Chorro und es wäre schön, wenn diese eher wiederholt als neue in den selben Dimensionen gebohrt würden. Hoffentlich werden in absehbarer Zeit mehr Informationen zu diesen Lines veröffentlicht, ansonsten fragt im unteren Refugio nach Sergio.

Weiter gibt es zu Bedenken, dass Highlinen nicht einfach so verboten oder ignoriert werden kann. Eine Infrastruktur für den Sport muss und wird entstehen. Es wäre wie immer schön, wenn dies in geregelten Bahnen passiert. www.slackattack.ch befasst sich mit diesem Thema und wird hoffentlich bald noch mehr Infos zum Thema posten.

Bis dahin, one inch for life, yo! 

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