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Rückblick 2011

Retrospektive eines Highline-Jahres. Das Highline-Jahr beginnt mit einer der schönsten und wohl gleichzeitig härtesten Highlines der bayerischen Voralpen: der Roßsteinnadel.

Zusammen mit Damian, Freddy und Fabian (Rupprecht) ziehe ich los. Nach einem langen und kräftezehrenden Aufbau reicht es für mich am gleichen Tag nicht mehr für einen Versuch.

Am nächsten Tag soll es dann soweit sein. Unglaublicherweise gelingt mir der Weg zur Nadel onsight. Taumelnd und mit einem Gefühl von Übelkeit vor lauter Angst erreiche ich die Nadel. Ich bin leer, keine Kraft mehr für den Rückweg, wenige verkrampfte Versuche enden ohne Schritte in Catches.

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Ich zweifle, wie so oft bei Highline-Aktionen. Stelle mir die immer wiederkehrende Frage: WARUM? Warum mache ich das eigentlich? Es macht keinen Spaß! Das Gefühl an der anderen Seite anzukommen ist großartig, aber verglichen mit dem Aufwand der dafür nötig ist so kurzweilig und klein.

So soll es nicht ewig weitergehen: Ich fasse einen Vorsatz: Noch 5 Highline-Aktionen, dann ziehe ich einen Strich! Wenn es bis dahin nicht ansatzweise anfängt Spaß zu machen, bzw. die Waage zwischen Aufwand und Ertrag (so blöd das klingt) nicht mehr so ungleich ist, höre ich auf. So kann es für mich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht ewig weitergehen.

Es folgen Highline-Aktionen: Im Allgäu spannen wir eine kurze Line am Besler, immernoch ein Kampf...

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An den Buchenegger Wasserfällen geht es auf der Kurzen zum ersten mal ganz gut, aber die Große geht nur in eine Richtung und macht platt. Aber es fängt an besser zu werden.

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An der Meganadel wird es hart. Wir bauen die Line zu zweit auf, Freddy und ich. Auch hier ist der Aufbau enorm kräftezehrend. Ich bewundere Freddy für seinen Willen und die Kraft sich immerwieder zu überwinden und doch noch raus auf die Line zu gehen. Ich fühle mich leer, habe keinerlei Motivation mich in diese Ausgesetztheit zu begeben, zweifle und stelle mir wieder und wieder die gleiche Frage: WARUM?


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Auch am zweiten Tag kann ich mich nicht überwinden, ich binde mich nicht mal in die Leash ein. Ich will die Ausgesetztheit nicht spüren, meine Ängste nicht überwinden, nicht scheitern!

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Freddy ist der Freund, den man sich in so einem Zustand nur wünschen kann, er akzeptiert und versteht. Und ich habe die Entscheidung nicht bereut, an diesem Wochende nicht draußen auf der Line gewesen zu sein.

Was blieb waren natürlich noch mehr Zweifel, aber es war erst die dritte Aktion seit der Roßsteinnadel...es muss noch weitergehen!

Im August sind wir am Nürnberger Turm. Viel hat nicht gefehlt und ich wäre erneut nicht rausgegangen. Dank Damian's und Freddy's Zuspruch wage ich einen Versuch und laufe die Line onsight fullman. Ein kurzes Hochgefühl und die anschließende Leere...same same.

Im September wollen wir Freddy's großes Projekt an den Löwenzähnen realisieren. 42m lang, 150m hoch. Pure Ausgesetztheit über dem Rheintal.

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6 Stunden Aufbau, 3 Tage am Spot, unzählige Versuche von Freddy bis an den Rand des Wahnsinns. Letztendlich gelingt ihm der Halfman. Sein ungebrochener Wille ist bewundernswert und so weit weg von dem wie ich mich fühle. Ich starte genau einen Versuch, der schrittlos im Catch endet und nicht gerade Mut macht. Es war ein großartiges Projekt mit einem genialen Team und es hat mich erfüllt ein Teil davon gewesen zu sein.

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Hier findet ihr das Video dazu.

Tatsächlich hätte es hier zu Ende sein müssen. Ich hab mich wohl verzählt...wollte es noch nicht wahrhaben.

Im November lädt mich Damian nach Dresden ein und wir gehen eine Erstbegehung im Elbsandstein an. Es ist ein Märchenland und die wunderschöne "Silhouette Line". 34m lang und auch ordentlich hoch. Ich stimme mich mit chilligem Drum & Bass ein und fühle eine ungekannte Motivation. Nach dem Sitzstart bleibt das Gefühl der Panik aus, was mich im ersten Moment verwundert. Sonst hat sich immer alles verkrampft, es war ein reiner Kampf vorwärts zu gehen. Diesmal ist es anders: Ein Gefühl Kontrolle zu haben über das was ich da tue.

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Ich laufe die Line onsight fullman, schnaufe, keuche, schreie fast während des Laufens und schreie tatsächlich befreit und erlöst als ich den Rückweg beendet habe. Das war gut!

Ist nun der Knoten geplatzt? Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht.

Im November wiederholen wir noch eine schöne Line in der Pähler Schlucht, irgendwas um die 35m lang. Hier habe ich tatsächlich Spaß: an der Ausgesetztheit, an der Herausforderung, an der Kontrolle und nicht zuletzt natürlich auch am Kick!

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Es folgt noch eine letzte Aktion in der Türkei. Oberhalb des Josito-Camps wiederholen wir eine bereits eingebohrte Highline. Kurz, vielleicht gerade mal 15m. Es kostet viel Überwindung, ich kann die Line an 2 Tagen mehrmals laufen. Es zehrt an den Kräften, eine gewisse Leere bleibt auch hier.

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Was bleibt nun nach diesem Jahr? Gewiss hat sich vieles gebessert, gewiss ist auch vieles noch ungewiss. Welche Motivatin mich getrieben hat, so viel Energie in die unzähligen Aktionen zu stecken und nach Niederlagen immer wieder aufzustehen kann ich schwer in Worte fassen. Viel machte die großartige Freundschaft zu Freddy aus, dessen Motivation oft für uns beide gereicht hat und der nicht müde wurde, mich immer wieder aufs neue zu überzeugen loszustarten. Er hat immer daran geglaubt, dass ich es schaffen kann, öfter wohl als ich selbst daran geglaubt habe. Dafür bin ich unglaublich dankbar!


Nicht aufgeben und das Unmögliche möglich machen! Das war wohl die Devise 2011.

Ich blicke gespannt in die Zukunft und freue mich auf weitere Projekte. Highlinen ist nicht alles, Länge und die Dynamik in "normaler" Höhe sollen 2012 auch nicht zu kurz kommen...

In diesem Sinne wünsche ich euch allen ein erfolgreiches Jahr 2012!

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