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Slackline Highline

Die wohl intensivste und anspruchsvollste Form des Slacklinens ist das Balancieren in großer Ausgesetztheit. Hohe Leinen zwischen Felsformationen, Gebäuden oder über Schluchten und Abgründe werden als Highlines bezeichnet. Für die Sicherheit wird während des Gehens eine Selbstsicherung, welche in der Highline/Midline eingehangen ist, mitgeführt. Im Falle eines Sturzes droht also nicht der Verlust des Lebens.

Das Gehen über eine Highline unterscheidet sich sehr stark vom normalen Slacklinen. Was macht diesen Unterschied aus?

Neben der absoluten Beherrschung der Balance auf einer niedrigen Slackline werden weitere wichtige Voraussetzungen benötigt.

high-artic2Eine Grundlage ist das Wissen über eine sichere Aufbautechnik. Jede Highline besitzt andere Randbedingungen bezüglich der vorhanden Spannpunkte, der Länge und den Gegebenheiten vor Ort (Felsstruktur, Exponiertheit, Windeinfluss). Die Fähigkeit diese Informationen für einen sicheren Aufbau nutzbar zu machen beruht auf großer Erfahrung im Umgang mit Seil- und Sicherungstechniken und natürlich dem Besitz von geeigneter Ausrüstung. Kenntnisse vom Spannen üblicher Slacklines reichen nicht aus. Auch das Untersichern mit einem Kletterseil macht aus einer Slackline nicht automatisch eine Highline. Die Konsequenzen eines fehlerhaften Aufbaus, zum Beispiel Materialversagen, sind fatal und nicht mehr rückgängig zu machen. Für die ersten Schritte auf einer Highline sollte man sich erfahrenen Highlinern anschließen, um vom Wissen und Erfahrungsschatz zu lernen und das eigene Highlineerlebnis in sichere Bahnen zu lenken.

Ein weiteres unersetzliches Element ist das Beherrschen von spezifischen Techniken wie z.B. dem Fangen der Leine im Falle eines Gleichgewichtverlustes. Das Fangen erzeugt weniger Kräfte auf das Highlinesystem, schont das Material und trägt damit zu mehr Sicherheit bei. Das Erlernen des Aufstehens aus der Sitz/Hockstellung ist ebenfalls sehr anzuraten, um die objektiv gefährlicheren Randbereiche einer Highline meiden zu können. Aber auch die sichere Ausführung eines "Leashfalls", der Sturz in die eigene Selbstsicherung, und das kraftsparende Wiederaufsteigen zur Line, gehören mittlerweile zum Grundrepertoire des Highliners.

Innerhalb der Highlinecommunity besitzt der Sicherheitsaspekt einen herrausragenden Stellenwert und wird kontinuierlich und intensiv diskutiert. Statistische Auswertungen haben gezeigt das nur 5% aller Slacklineunfälle dem Highlinen zuzuordnen sind (ISA-Unfallstatistik). Einen wesentlichen Beitrag hat auch der "Low-Tension-Trend" zur Sicherheit beigetragen, d.h. die Verwendung von sehr geringer Vorspannung in Highlines. So werden Gefahren bezüglich nicht ausreichender Materialdimensionierung abgemildert, insbesondere bei der Jagd auf immer gigantischere Highlineprojekte.

highline-china2Die mentale Belastbarkeit und ein starker Wille sind neben den zuvor genannten Vorraussetzungen die entscheidenden Faktoren. „Kopffitness“ und somit die Überwindung zum Versuch wird zum einen durch den Persönlichkeitstyp (Stressbewältigung) und zum anderen durch sicheres Aufbauen, sicheres Gehen und sicheres Fangen bestimmt. Eine gezielte Methodik des Rantastens, d.h. eine stufenweise Erhöhung der Stressbelastung, kann ebenfalls ein erfolgreiches Erlebnis herbeiführen. Hier wird jeder Highliner sein eigenes Konzept besitzen.

Das Durchbrechen von mentalen Mauern ist ein wesentlicher Inhalt beim Gehen über die Highline. Das hohe Stresslevel erzeugt einen starken Adrenalinschub, welcher sehr gefühlsverstärkend sein kann. Gelingt es die Kontrolle (also die Balance) zu behalten, können sehr intensive Glücksmomente und tiefer innerer Frieden entstehen. Ist die Angst dominierend werden die inneren Mauern umso größer (z.B. Frustration und Selbstzweifel). Mit einer Stufentaktik kann das meist vermieden werden.

Neben der Beschäftigung mit der eigenen Psychologie kann das Highlinen einen weiteren Aspekt besitzen, die visionäre und ästhetische Idee. Die Tatsache der Existenz von vertikalen Strukturen in unserem Lebensraum und die Beschäftigung mit dem Balancieren in Bodennähe legt eine Verschmelzung dieser beiden Dinge nahe. Das Entdecken von möglichen Linien, wie z.B. beim Bergsport, und der kreative Prozess der Realisierung erschaffen Freiräume für Selbstverwirklichung.

Ein alter Menschheitstraum, wie ein Vogel durch die Luft schweben zu können, rückt in greifbare Nähe. Highlinen erschafft eine Form von Freiheit, einer Lebensquelle gleichend, welche das innere Feuer von neuem entfacht.